Theater Ugala in Viljandi, Estonia. Used materials: Terca ceramic bricks Red Smooth and customised designed bricks, Terca ceramic brick slips and corners Red Smooth.
© Kaido Haagen / Wienerberger AS

Das Prinzip des Flusses

architectum Ausgabe: Renovierung

Theater Ugala in Viljandi, Estonia. Used materials: Terca ceramic bricks Red Smooth and customised designed bricks, Terca ceramic brick slips and corners Red Smooth.
© Arno Mikkor / Wienerberger AS

Interview

Architektin Irina Raud erzählt, was sie beim Bau eines Theaters und 30 Jahre später bei dessen Sanierung inspiriert hat.

Theater Ugala in Viljandi, Estonia. Used materials: Terca ceramic bricks Red Smooth and customised designed bricks, Terca ceramic brick slips and corners Red Smooth.
© Arno Mikkor / Wienerberger AS

Verwendete Produkte

Terca Keramikziegel Red Smooth

Das Prinzip des Flusses

1981 öffnete das Theater Ugala zum ersten Mal seine Pforten. Seitdem hat es sich zu einer Institution entwickelt, das von Kindervorstellungen über Musikaufführungen bis hin zur internationalen Klassik alle Stücke spielt. Für die Renovierung der außergewöhnlichen Spielstätte wurde das Architekturbüro R-Konsult beauftragt, das das Gebäude bereits ursprünglich geplant hatte.

„Es ist uns gelungen, das Gebäude so umzugestalten, dass es noch sinnvoller genutzt werden kann." - Erkki Tammeleht, architect R-Konsult.

Das Theater Ugala wurde vor 30 Jahren gebaut und war damals eines der modernsten Gebäude im Baltikum. Was ist die Herausforderung bei der Renovierung eines so prestigeträchtigen Gebäudes?

Architektin Irina Raud: Der Wiederaufbau eines Gebäudes, das vor 30 Jahren nach unserem eigenen Entwurf gebaut wurde, war eine interessante Herausforderung,  zumal es nun unter Denkmalschutz steht – als ein Wahrzeichen der Architektur des 20. Jahrhunderts. Generell ist die Rekonstruktion eines bestehenden Gebäudes immer viel arbeitsintensiver als die Planung eines neuen Gebäudes. Du musst darüber nachdenken, was du behalten und was du hinzufügen sollst. Jeder Winkel muss neu gemessen werden. Eine gute Renovierung bedeutet, dass sie unbemerkt bleibt. Im Herbst 2016 wurde das Gebäude wieder geöffnet und unsere Intention war, dass die Besucher dann in ein erneuertes, aber keineswegs in ein neues Gebäude treten. Da die ursprünglichen Ideen und Funktionen sich in all den Jahren bewehrt haben, mussten wir keine grundlegenden Änderungen vornehmen.

Welche Rolle spielen die richtigen Materialien in diesem Zusammenhang?

Auch das Äußere des erneuerten Ugalas ähnelt der sogenannten alten Version. Würde man zwei Fotos vom alten und neuen Ugala nebeneinander legen, würden sie völlig gleich aussehen. Allerdings wurde der alte Fassadenstein komplett entfernt und durch einen ähnlich gestalteten und geschichteten roten Ziegel ersetzt. Deshalb hat die Zusammenarbeit mit Wienerberger für uns so gut funktioniert. Die im Werk Aseri hergestellten glatten roten Ziegel waren perfekt geeignet. Wo nötig, wurden darüber hinaus speziell für das Projekt entworfene Ziegel hergestellt sowie viele Ziegel- und Eckplatten eingesetzt, um dem ursprünglichen optischen Charakter des Theaters gerecht zu werden. 
 
 

Woher kam die Inspiration für das ursprüngliche Design?

Als die Architektin Inga Orav und ich 1969 den künftigen Standort des Theaters besuchten, war es ein grauer und regnerischer Tag. Auf dem Gelände gab es eine Reihe kleiner Schuppen mit Dächern, die vom Regen nass waren und vom Rost rot leuchteten. Die Dächer bildeten einen beeindruckenden hellen Kontrast zum grauen Himmel. Daraus entstand die Idee, dass das neue Gebäude rot – also aus rotem Ziegelstein – sein sollte.

Das Theater Ugala ist ein sehr spezielles und einzigartig starkes Gebäude, das sich aber dennoch in die umgebende Natur eingliedert. Wie schafft es Architektur, diese Harmonie herzustellen?

In der funktionalen und räumlichen Gestaltung von Ugala war der Bach, der durch das Gebiet fließt, unsere Hauptinspiration, ebenso wie die erhobene Grünfläche des Friedhofs im hinteren Teil des Geländes. In die Natur eingebunden, erhebt sich der Theaterpark in Form von Terrassen, geht mit seiner Struktur in die verschiedenen Ebenen des Gebäudes über und setzt sich bis zum Bühnenturm fort. Dies schuf eine Situation, in der ein großes Gebäude optisch nicht mehr so massiv wirkt, sondern als Teil der Landschaft wahrgenommen werden kann. Das war damals unsere ursprüngliche Intention, und die Idee kommt gut an. 

Wie wichtig sind Details bei so einem riesigen Gebäude?

Die Existenz origineller Details im Theatergebäude von Ugala ist von entscheidender Bedeutung. Angefangen bei der Wahl der Fassadenziegeln bis hin zu Türgriffen und Leuchten. Es ist eine Herausforderung, die ich immer gerne annehme. Schon im alten Ugala-Gebäude gab es bautechnische und innenarchitektonische Details, die man definitiv als speziell bezeichnen könnte, die man sonst nirgendwo sehen würde, weil wir sie im ersten Projekt neu erfunden haben.
 
Heutzutage werden viele Großhandelsprodukte verwendet, was der Grund dafür ist, dass die heutige Architektur normalerweise relativ wenig Details aufweist. Die Massenproduktion übernimmt die Oberhand und es gibt immer weniger originelle Lösungen, aber dennoch war es eines der Prinzipien der Renovierung Ugalas, so viel Arbeiten wie möglich von estnischen Produzenten zu verwenden. Auch die speziell für uns angefertigen Ziegel tragen ihren Teil zum einmaligen Charakter des Theaters bei. 

„Im Falle des Ugala Theater mussten wir ein Gebäude mit einer klaren und starken architektonischen Aussage modernisieren, und dabei nicht die Essenz verlieren, die Ugala einzigartig macht." - Anna Temmo, architect R-Konsult.

Waren die Personen, die das Gebäude tatsächlich nutzen (Schauspieler, Mitarbeiter, Besucher etc.), in die Planung der Renovierung involviert? Wenn ja, wie?

Die Zusammenarbeit mit dem Theater war integraler Bestandteil des Wiederaufbauprojekts. Ihre Ideen und Vorschläge bilden den Grundstein für unsere Arbeit. Zum Beispiel haben sich die Theatermitarbeiter ein Dach für die Café-Terrasse im zweiten Stock gewünscht. Die Rolle von Architekten besteht ja darin,  eine angenehme Umgebung für die Nutzer der Gebäude zu schaffen. Eine Umgebung, über die die Menschen nicht nachdenken müssen, sondern die sie einfach nutzen können und sich darin wohlfühlen. So haben wir auch die Bewegungsmöglichkeiten des Publikums insofern verbessert, dass auch die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität berücksichtigt werden, sodass sie sich in der gleichen Zone wie andere bewegen können und nicht isoliert werden.

Haben sich die Anforderungen an Theatergebäude im Laufe der Zeit verändert?

Aus Sicht des Publikums sicherlich nicht viel. Was einen Menschen interessiert, ist, dass er sich wohlfühlt, dass das dem Theater innewohnende Geheimnis bewahrt wird und dass die Künstler respektiert werden. Das Ziel der Architekten war und ist es, diese Art von Umgebung und Atmosphäre zu schaffen – einen Hintergrund, in dem sich eine Person in ihrem Tun gut fühlt und der ihr nicht das Solo stiehlt. 

Theater Ugala in Viljandi, Estonia. Used materials: Terca ceramic bricks Red Smooth and customised designed bricks, Terca ceramic brick slips and corners Red Smooth.

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