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Ausgabe #21

Eine nachhaltige Stadtentwicklung muss einen Umbau unserer Städte zum Ziel haben, hin zu mehr Lebensqualität bei weniger Ressourcenverbrauch.

Thomas Auer - Transsolar

Thomas Auer Transsolar architect interview
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Thomas Auer Transsolar architect interview
Thomas Auer – Transsolar

NACHHALTIGE STADTENTWICKLUNG IM 21. JAHRHUNDERT

Nachhaltiges Bauen

Stadtplanung ist die Planung des Unfertigen. In dieser Hinsicht sind Städte immer dem Wandel der Zeit unterworfen – gewissermaßen ein Imperativ der Stadtentwicklung.

Stadtplanung ist die Planung des Unfertigen. In dieser Hinsicht sind Städte immer dem Wandel der Zeit unterworfen – gewissermaßen ein Imperativ der Stadtentwicklung. Die Stadt ist letztlich ein Abbild des Zeitgeistes, die Materialisierung des Lebensstils und der Werte einer Gesellschaft. So wurden im 20. Jahrhundert unsere Städte etwa durch die Industrialisierung und die Notwendigkeit von (Auto-)Mobilität geprägt. Und so werden die Aufgaben unserer Zeit sowie neue Technologien ebenfalls die Städte verändern. Das Internet und das Smartphone beispielsweise haben unser Leben bisher stärker verändert als unsere gebaute Umwelt. Um die Zukunft unserer Städte aktiv zu gestalten – und nicht nur zu reagieren – müssen wir die Herausforderung und Potenziale des notwendigen Umbaus erkennen. „Plan for the future because that’s where you are going to spend the rest of your life.“ (Mark Twain)

Place de la République Paris kid playing
© Transsolar

Die Aufgaben sind wahrscheinlich stärker denn je regional sehr unterschiedlich. In Europa wird es um einen Umbau – ohne Aufgabe der Identität – gehen; behutsam und gleichzeitig ambitioniert. Themen wie die Klimaerwärmung, mit der extreme Wetterphänomene einhergehen, eine veränderte Mobilität, der ökologische Umbau – die „Roadmap 2050“ der EU fordert eine Reduzierung der CO2-Emissionen von Gebäuden um 90 % bis zum Jahr 2050 – und vor allem bezahlbarer Wohnraum in großer Anzahl für alle Bevölkerungsschichten werden den Umbau unserer Städte die nächsten Jahrzehnte prägen. Tabula rasa ist weder wirtschaftlich angemessen noch dürfte sie Zustimmung finden. Vielmehr wird es notwendig sein, ohne historisierende Dogmen auf das Bestehende aufzubauen. Das häufig verwendete Argument des „historischen Stadtgrundrisses“ kann kein K.-o.-Kriterium sein. Nur, weil es historisch ist, muss es nicht richtig sein – zumal sich die Bedingungen drastisch verändert haben.

In dem bevorstehenden Umbau stecken durchaus große Chancen und Potenziale. Letztlich geht es um nichts Geringeres als um die Frage, wie wir bei reduziertem Ressourcenverbrauch eine bessere Lebensqualität erzielen können. Unsere Gebäude und unsere Städte müssen diese Lebensqualität materialisieren und manifestieren.

Place de la République, Paris, woman on Bike
© Transsolar

Gemäß US-Studien fahren die sogenannten „Millennials“ (die Jahrgänge von 1977 bis 1998) bereits ca. 20 % weniger Autokilometer als die Generation der vorherigen Dekade. Durch selbstfahrende Autos, kombiniert mit „shared rides“ lässt sich in Ballungszentren der Bedarf an Fahrzeugen um bis zu 80 % reduzieren (Carlo Ratti, Senseable City Lab, MIT). Dies schafft Platz in unseren Städten, sodass der öffentliche Raum für eine Klimaanpassung genutzt werden kann. Durch eine Kombination aus Verschattung, Verdunstungskühlung etwa durch Wasserflächen und/oder Vegetation, Reflexion von Oberflächen und anderen Maßnahmen regulieren wir auch in Hitzeperioden nicht nur das Stadtklima beziehungsweise den Außenkomfort, sondern schaffen auch ein gutes Klima in den Gebäuden. „Anstelle eines Parks in der Stadt brauchen wir eine Stadt im Park.“ (Bruce Mau)

Ein Umbau unserer Städte unter Berücksichtigung der genannten Themen wird nur dann erfolgreich sein und auf Akzeptanz stoßen, wenn die Qualität des öffentlichen Raums zunimmt; die Qualität des öffentlichen Raums wird über Erfolg und Nichterfolg entscheiden. Auch eine erhöhte bauliche Dichte wird die europäische Stadt problemlos hinnehmen, wenn gleichzeitig der öffentliche Raum lebens- und liebenswert bleibt beziehungsweise wird. Zahlreiche europäische Städte haben diesbezüglich eine positive Entwicklung genommen. Besonders hervorzuheben ist der geförderte Wohnungsbau der Stadt Wien („Wiener Modell“) oder die Stadt Zürich, wo sich die Bevölkerung mit einer großen Mehrheit von 75 % Ja-Stimmen im Jahr 2008 für eine nachhaltige Entwicklung gemäß dem Modell der 2.000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen hat. Danach soll der Energieverbrauch auf 2.000 Watt pro Person und der CO2-Ausstoss bis 2050 auf eine Tonne pro Person – sprich auf circa ein Zehntel des heutigen Verbrauchs – gesenkt werden. Im Kontext dieses Beschlusses arbeitet die Stadt Zürich sehr intensiv an dem Thema der nachhaltigen Stadtentwicklung mit einer qualitätvollen Nachverdichtung.

Auf dem Place de la République in Paris wurden die neuen Ideen bereits umgesetzt.