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Ausgabe #26

ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE

Dach & Fassade

Knappe hundert Meter entfernt vom Gipfel des Trdina-Berges im Gorjanci-Gebirge an der kroatisch-slowenischen Grenze liegt die im 15. Jahrhundert gebaute Kirche St. Gera, deren Ruine im Jahr 1993 entdeckt wurde. Um den Geist des ehemaligen Gotteshauses wiederzubeleben, gestaltete der Architekt Borut Simič 2012 eine moderne Überdachung.
Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.
Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.
Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.
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Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.

ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE

Dach & Fassade

Knappe hundert Meter entfernt vom Gipfel des Trdina-Berges im Gorjanci-Gebirge an der kroatisch-slowenischen Grenze liegt die im 15. Jahrhundert gebaute Kirche St. Gera, deren Ruine im Jahr 1993 entdeckt wurde. Um den Geist des ehemaligen Gotteshauses wiederzubeleben, gestaltete der Architekt Borut Simič 2012 eine moderne Überdachung.

Wenn wir über die Kirche von St. Gera sprechen möchten, müssen wir sowohl über die rationale als auch über die symbolische Grundlage des Baudenkmals sprechen. Die kristalline Form der neuen Überdachung fügt sich in die Form des Gebirges ein. Sie ist tektonisch wie ein Mantel gestaltet. In der Sprache dieser Architektur gibt es keinen unnötigen Schnickschnack, sondern nur eine aufrichtige Verwendung einfacher Materialien, die die Beständigkeit und Realität des Glaubens symbolisieren soll.

Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.

Der Omegapunkt

Die Überdachung besteht aus einer dreidimensionalen Stahlkonstruktion, getragen von fünf Fundamenten, auf denen die Last der Unterstruktur aus Holzsparren ruht. Der Übergang vom Nützlichen zum Sakralen erfolgt durch die zum Himmel ausgerichtete perspektivische Geometrie der Unterkonstruktion, die in Richtung des „Omegapunktes“ nach Teilhard de Chardin orientiert ist. Laut Teilhard ist Jesus Christus ein „Omegapunkt“, zu dem alles strebt und in dem die Evolution letztendlich gipfelt.

Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.

Himmlische Optik

Die historische Substanz wurde restauriert und in einer Form aktualisiert, die an eine Kirche erinnert und unterbewusst sofort als solche erkennbar ist. Die Besucher sollen durch die scheinbare Dematerialisierung der Dachdeckung eine symbolische Trennung von Himmel und Erde erfahren.

Die Hauptakteure der Erscheinung sind dunkelgrau glasierte, flachgesägte Biberschwanzziegel unterschiedlicher Abmessungen. Die Größe der Ziegel verringert sich zum First hin und verdünnt sich rhythmisch. Die Überdachung soll den Himmel widerspiegeln und gleichermaßen mit ihm verschmelzen. Auf ihrer Oberfläche spielt das Licht mit Wolken und Sonne, sodass die Kirche bei bestimmten Lichtbedingungen sogar verschwindet und wiedererscheint. Aus der Distanz versinkt sie in der „Sfumato“-Landschaft der blaugrauen Wälder. Stein, Ziegel, Holz und Metall – jahrtausendealte Baustoffe – sind zu einer zeitgemäßen plastischen Form verwoben, die ihre BesucherInnen zum Staunen bringt.

Building: Roof of the Ruins of St. Gera Church
© Miran Kambič, u.d.i.a.
Daten & Fakten
  • Projektname
    Überdachung der Ruine der Kirche St. Gera im Gorjanci-­Gebirge, Trdina-Berg, Slowenien
  • Architekt
    Borut Simič, u.d.i.a., NEAP d.o.o.
  • Bauherr
    MO Novo mesto
  • Verwendete Produkte

    Flachgesägte Biberschwanzziegel unterschiedlicher Größe, dunkelgrau (Amadeus)

  • Jahr der Fertigstellung
    2012
Amadeus Rooftile Dark Grey

Dach

Tondach Mulde Verschiebeziegel Amadeus Grau – Tschechien