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Ausgabe #19

TRADITION TRIFFT AUF MODERNE NACHHALTIGKEIT

Interview

Interview mit Taro Tsuruta von Tsuruta architects.
House of Trace (before renovation) © Taro Tsuruta
Before renovation © Taro Tsuruta
Exterior, House of Trace, Taro Tsuruta © Tim Crocker
House of Trace © Tim Crocker
Taro Tsuruta © Marie-Cecile Embelton
Taro Tsuruta © Marie-Cecile Embelton
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Taro Tsuruta © Marie-Cecile Embelton
Taro Tsuruta © Marie-Cecile Embelton

TRADITION TRIFFT AUF MODERNE NACHHALTIGKEIT

Interview

Interview mit Taro Tsuruta von Tsuruta architects.
Ihr Projekt „House of Trace” ist mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, darunter auch 2016 mit dem britischen Architekturpreis RIBA. Das Londoner Projekt ist eine Neuinterpretation und Renovierung eines Wohnhauses. Es sieht umwerfend elegant, einfach, aber auch anspruchsvoll aus. Gibt es einen besonderen Grund dafür, Gebäude zu renovieren, anstatt sie abzureißen?

„House of Trace“ ist eigentlich kein Erhaltungsprojekt, denn ein solches hat normalerweise mit historischen oder architektonischen Werten zu tun, die mit dem kollektiven Gedächtnis zusammenhängen. Ich inter­essiere mich für persönliche Erinnerungen, die mit Räumen und Orten verbunden sind. Der alte Anbau des Gebäudes war typisch und hatte ein Schrägdach, wie viele andere in Reihenhausgärten. Es hat eigentlich keinen großen Wert, es ist so banal. Ich wollte diese „Banalität“, die mit dem gewöhnlichen alltäglichen Leben in Verbindung gebracht werden kann, beibehalten. Es ist interessanter, den anderen Teil zu erhalten, nicht den materiellen Wert, sondern die Erinnerung.

 

Exterior, House of Trace, Taro Tsuruta © Tim Crocker
House of Trace © Tim Crocker

Aber ist Banalität etwas, das Sie als positiv bezeichnen würden? Denn im Deutschen steht das Wort „banal“ eher für etwas Negatives.

Ja, ich weiß, es ist ein besonderer Ausdruck. Das Haus ist banal in sei­ nem Aussehen. Es ist vollkommen unbedeutend. Es spiegelt das alltägli­ che Leben wider. Deshalb wollte ich im Haus diese Bedeutungslosigkeit erhalten und daraus etwas machen, das eine größere Herausforderung darstellt. Die Frage war: Soll es besser renoviert oder abgerissen wer­ den? Ich wollte den im Haus bestehenden Riss erhalten, als Erinnerung, damit man weiß, was mit dem Haus geschehen war. Normalerweise

Ja, ich weiß, es ist ein besonderer Ausdruck. Das Haus ist banal in sei­nem Aussehen. Es ist vollkommen unbedeutend. Es spiegelt das alltägli­che Leben wider. Deshalb wollte ich im Haus diese Bedeutungslosigkeit erhalten und daraus etwas machen, das eine größere Herausforderung darstellt. Die Frage war: Soll es besser renoviert oder abgerissen werden? Ich wollte den im Haus bestehenden Riss erhalten, als Erinnerung, damit man weiß, was mit dem Haus geschehen war. Normalerweise hätte man in einem Renovierungsprojekt den Riss vollkommen besei­tigt und neue Ziegelsteine darin eingesetzt. Aber wir haben den Riss nur einfach behoben und die Spuren belassen. Das alltägliche Leben eines benutzten Hauses hat etwas mit dem Alter zu tun. Ich wollte diese Alterung des Hauses erhalten. So wird der neue Teil des Hauses zusammen mit dem früheren altern, um sich in das neue Leben der Bewohner einzupassen.

Plan, renovation project "Room no roof" © Taro Tsuruta
„Room no roof“ © Taro Tsuruta

Es ist also wie ein Lebensprozess, den Sie aufzeigen können, wenn Sie alte Materialien in Verbindung mit neuen verwenden.

Ja, sie leben zusammen. Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Verschwendung. Wirft man Dinge aus der Baustelle hinaus, fällt viel Abfall an, und es wird viel Energie verbraucht, um den Abfall ab und neue Materialen zur Baustelle hin zu transportieren. Wegwerfen ist nicht nachhaltig, aber Wie­derverwenden ist zeitaufwendig, weil man die Teile, die man wiederverwenden kann, aussortieren muss. Und gelegentlich findet man etwas…

Street view, renovation project "Room no roof" © Taro Tsuruta
„Room no roof“ © Taro Tsuruta

Das heißt, in einem Gebäude ist immer viel „graue Energie“ gespeichert.

Ja, und das ist auch eine Herausforderung. Die neuen Materialien sind immer innovativ. Nach den Vorschriften zu arbeiten wird immer schwe­rer, je höher die Latte liegt, beispielsweise im Bereich Heizung. Aber wir passen uns so weit wie möglich an die neuen Bestimmungen an.

Also sind Ihrer Meinung nach die Vorteile der Renovierung sehr klar.

Ja, an erster Stelle wird die Verschwendung minimiert.

Und die Wiederverwendung des Materials bedeutet auch die Unterstützung der Nachhaltigkeit.

Die Auswahl der wiederverwendbaren Ziegelsteine ist eine sehr zeitintensive Arbeit. Aber da dies auf der Baustelle geschieht, verringern sich die Transporte neuer Materialien.

Die Verwendung der alten Materialien stärkt den Charakter des Hauses, indem er neu interpretiert wird. Stimmen Sie dieser Aussage zu?

Ja. Ich mache das bei einem anderen Projekt, bei dem wir die alten Fenster aufbewahrten, nachdem wir sie durch Fenster mit Doppelverglasung ersetzt hatten. Wir hätten sie sonst wegwerfen müssen, aber wir behielten sie, um sie erneut zu verwenden, vielleicht in einem Innen­bereich. Denn sie waren symbolisch geworden. Sie waren lange Zeit dort, schützten das Haus 100 Jahre lang. Jetzt können sie anderweitig verwendet werden. Dem Charakter wird ein anderer Körper gegeben. Es ist wichtiger, wie man ihn interpretiert. Und die Art und Weise, wie wir das Alte als etwas Neues interpretieren, das ist der Schlüssel. Ich bin der Ansicht, der Ansatz des Erhaltens ist gut, aber manchmal will der Kunde, dass das renovierte Gebäude dem alten ähnlich sieht. Für mich stellt sich die Frage: Wie kann man es uminterpretieren, um etwas Neues zu gestalten?

Detail, renovation project "Room no roof" © Taro Tsuruta
„Room no roof“ © Taro Tsuruta

Es soll also möglich sein, die alten von den neuen Teilen zu unterscheiden?

Die Schaffung von Kontrasten ist wohl ein weiterer wesentlicher Aspekt. Zuerst ist es nur alt. Und dann versuche ich, das Alte aufzufrischen. Selbst wenn man altes Material und einen alten Raum verwendet, kann man ihm eine Art neues Leben verleihen. Man muss ihn als etwas Ande­res (Neues) interpretieren.

Welcher Aspekt stellt die größte Herausforderung dar, wenn man ein mehrgeschossiges Gebäude angeht?

Es ist wirklich schwer vorherzusehen, was geschehen wird – man reißt einige Teil ab und entdeckt dann etwas Unerwartetes. Das geschieht während der Bauphase. Aber der Preis für das Projekt wurde bereits vorher festgelegt, und wenn etwas Unerwartetes geschieht, muss man unter Umständen den Preis oder das Design ändern. Es ist also eine Art Verhandlung zwischen Kosten und Anpassung an die Umstände. Manchmal stellt das eine Gelegenheit dar, neue Lösungen einzubringen. Ist man in der Lage, diese Herausforderungen zu meistern, kommt am Schluss immer etwas Unerwartetes heraus. Ich hatte beispielswei­se ein Projekt, bei dem ich eine Stahltreppe vorgeschlagen hatte. Aber wir fanden heraus, dass es zu schwierig sein würde, die Stahlstruktur an der Ziegelwand zu befestigen. Also kamen wir letztendlich zu einer ungewöhnlichen Holztreppe. Wenn man eine gute Lösung finden kann, dann kann sich das Unerwartete positiv auswirken. Das ist die Heraus­forderung.

Section plan, renovation project "Room no roof" © Taro Tsuruta
„Room no roof“ © Taro Tsuruta

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz bei Ihren Renovierungsarbeiten?

Selbstverständlich ist es wichtig, energieeffizient zu bauen, aber das energieeffizienteste Gebäude ist eines, das man lange nutzen kann. Da Häuser sehr energieintensiv sind, besteht eine der nachhaltigsten Baumöglichkeiten darin, bereits bestehenden Gebäuden ein neues Leben zu verleihen, etwas Altes als etwas Neues umzuinterpretieren.

Ist es einfacher zu renovieren oder einen Neubau zu errichten?

Allgemein ist es einfacher, ein neues Gebäude zu errichten, aber Neu­ bauprojekte bieten anfänglich mehr Möglichkeiten, was diesen Teil schwieriger macht. Auf der anderen Seite wird bei Renovierungsprojek­te mit Einschränkungen gearbeitet. Bei einer Renovierung ist bereits ein bestimmter Rahmen vorgegeben, also sind solche Projekte am Anfang leichter. Aber die Arbeit wird auf der Baustelle schwieriger. Beides hat seine Vor-­ und Nachteile.

Welche Hindernisse unterbinden ehrgeizige Gebäuderenovierungen in Europa, und wie kann man diese überwinden?

In England empfinden die Menschen viel Nostalgie für Ziegelsteingebäude. Also wird bei Wohnprojekten viel renoviert. In Europa hingegen bevorzugen die Menschen eher Neubauten. Der Aspekt der Stärkung des Baugewerbes spielt hierbei auch eine Rolle. In meiner Heimatstadt Osaka besteht auch die Tendenz zum Abriss und Neubau, und das nicht nur wegen der Erdbeben. Jedes Mal, wenn ich dort hinkomme, finde ich eine neue, andere Stadt vor. So verliert man die Spuren der Zeit, man verliert die Erinnerungen eines Ortes, man erkennt nicht einmal mehr den Ort, an dem man aufgewachsen ist. Die Haltung hat vielleicht auch mit dem Konsumgedanken zu tun, der auch mit Stil zusammenhängt. In Deutschland und Belgien scheinen die Menschen Neubauten zu bevorzugen, während in Italien die Erhaltung eine wichtige Rolle spielt.

Sehen Sie hier einen Zusammenhang mit der Haltung gegenüber der Geschichte – in England und Italien möchten die Menschen den Glanz früherer Zeiten aufleben lassen, in Belgien und Deutschland werden neue Interpretationen und ein Schritt in Richtung Zukunft bevorzugt?

Es ist sicherlich sehr wichtig, ein Gleichgewicht zu finden, die Spuren der Geschichte zu erhalten, aber auch Energie und neue Ideen einzu­bringen. Es ist wichtig, Kontraste zu erreichen und diese zu integrieren.

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