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Ausgabe #20

Unsere Idee war es, an diesen bedeutenden Ort ein Wohnhaus zu setzen, das gleichermaßen stumm und charismatisch ist. Durch die Zweifarbigkeit der Bauteile knüpft es nahtlos an die benachbarten Bauten an.

Julien Rousseau, fresh architectures

Julien Rousseau © fresh architectures
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Julien Rousseau © fresh architectures
Julien Rousseau © fresh architectures

FASSADENDESIGN, GEPRÄGT VON INHALT UND VERWENDUNG

Dach & Fassade

Julien Rousseau von fresh architectures spricht über den Entwurf einer Gebäudeaußenseite in Anlehnung an die Innenbereiche und die Verwendung des Gebäudes und erklärt, warum er sich für eine Gebäudehülle für sein Projekt „Building Public Housing“ in Paris entschieden hat.
Building Public Housing, fresh architectures © Julien Lanoo
© Julien Lanoo

Wenn man heutzutage im Stadtzentrum baut, ist es wichtiger denn je, auch die Umgebung  einzubeziehen.  Es  kommt darauf an, eine klare Position zu beziehen und gleichzeitig nicht aus dem Rahmen zu fallen. Internationalen Studien zufolge haben Architekten mit Abstand den größten Einfluss auf die Fassade eines Gebäudes. Abgesehen von Ihren persönlichen Vorstellungen – welche anderen Aspekte sind Ihnen beim Entwurf einer Fassade wichtig?

Für unser Projekt „Bau Sozialer Wohnungen“ in Paris brauchten wir eine Art Schutzschild für die zukünftigen Bewohner des Gebäudes. Der Boulevard La Villette ist durch die vielen Autos und die oberirdisch verlaufende Metro eine sehr belebte Straße, sodass wir eine Fassade erschaffen wollten, die sich wie eine Haut um die Innenräume legt. Im Erdgeschoss gibt es einen kleinen Spiegelungseffekt. Das Untergeschoss ist ganz einfach gehalten. Es gibt eine Bäckerei, deren Fensterfront für einen durchscheinenden Effekt sorgt. Wenn Sie daran vorbeilaufen, können Sie bis auf die andere Seite der Straße schauen und durch den Lichteinfall, gerade in der Ecke, hat man das Gefühl, zu schweben.

 

 

Wie haben Sie die Außenflächen entworfen? Welche Rolle spielen das Design von Dach und Fassade bei Ihrer Arbeit?

Ich würde nicht davon sprechen, das Dach oder die Fassade zu erschaffen, denn an erster Stelle steht der Entwurf der Innenräume. Das Äußere ergibt sich dann automatisch. Wir versuchen, eine Gebäudeaußenseite zu entwickeln, die dem Gebäudeinhalt entspricht. Als wir mit dem Bau begannen, gab es in Paris sehr strenge Vorgaben zur Gebäudedämmung. Eine Außendämmung wurde als weitaus effizienter betrachtet. Dementsprechend mussten wir die Dämmung außen anbringen und hatten wenig Auswahl – da gibt es Steine oder Ziegel, diese Art Materialien. Wir wollten allerdings ein reflektierendes Element mit einbringen. Uns schwebte eine Spiegelung der Straße vor. Und da wir für das Dach die gleichen Materialien wie für die Fassade einsetzen wollten, mussten wir uns für Ziegel entscheiden.

 

Plan, Building Public Housing, fresh architectures © Julien Lanoo
© fresh architectures

Sie haben für Dach und Fassade die gleichen Dachziegel verwendet und so eine Gebäudehülle geschaffen. Welche ästhetischen und technischen Gründe lagen dieser Entscheidung zugrunde?

An erster Stelle stand ein soziales Anliegen: Die Bauarbeiten erfolgen Stück für Stück. Mir gefiel die Vorstellung, die Arbeiter vor Ort beim langwierigen Verlegen der Ziegel beobachten zu können. Für diese Arbeit braucht man viel Erfahrung. Es ist wirklich beeindruckend, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen, mit ihnen zu sprechen und die akkurate Arbeit zu verfolgen, wenn Problemstellen wie Ecken und Fenster bearbeitet werden. Es ist viel Know-how dafür notwendig. Sozusagen eine Umkehrung der industriellen Bauweise, wo alles bereits vorgefertigt ist.

 

Welche Vorteile haben Tonprodukte Ihrer Meinung nach aus kreativer Sicht?

Dieses Material hat eine natürliche Schwingung. Und die naturgegebenen Unregelmäßigkeiten machen es zu einem sehr interessanten Baustoff. Je nach Winkel reagieren die Ziegel ganz unterschiedlich auf den Lichteinfall. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der mit der Zeit zu tun hat, ist, dass Ton selbstreinigend und wartungsfreundlich ist, wenn Sie Ihr Gebäude renovieren möchten. Zudem werden die Ziegel durch die Patinabildung mit dem Alter interessanter.

 

Wenn man sich die umliegenden Gebäude anschaut, sieht Ihr Design mit der Ziegelanordnung sehr natürlich aus. Bei den übrigen Gebäuden gibt es eine klare Trennung zwischen Fassade und Dach.

Das stimmt. Die typischen Pariser Gebäude verwenden je nach Geschosshöhe eher andere Materialien. Da gibt es eine andere Kommunikation zwischen Dach und Fassade. Wir wollten gern zeigen, dass das Gebäude auf jeder Ebene zugänglich ist. Da es an der Ecke zwei viel befahrener Straßen steht, sollte es wie ein Meilenstein wirken, der die Kreuzung dieser zwei Straßen abschließt. Aus diesem Grund haben wir uns für diese duale Sprache von Dach und Fassade entschieden. Und durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen man sich dem Gebäude nähert, je nachdem, ob man zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs ist, spielen wir mit verschiedenen Formen. Je weiter weg man geht, desto deutlicher sieht man die Öffnungen. Sie verleihen dem Gebäude etwas Skulpturhaftes.

 

Building Public Housing, fresh architectures © Julien Lanoo
© Julien Lanoo
Detail, Building Public Housing, fresh architectures © Julien Lanoo
© Julien Lanoo

Das Gebäude ist den Farben der Umgebung bestens angepasst – dem Silbergrau der Metallbrücke und dem typischen Pariser Himmel. Welche Elemente oder Ideen kann ein Architekt nutzen, um ein Dach oder eine Fassade zu entwerfen, die als Blickfang hervorsticht?

Die Form wird an dieser Stelle durch die Maximalgröße der Konstruktion an dieser Ecke beschränkt. Da es sich um ein Sozialwohnungsprojekt handelt – und es gibt einen großen Bedarf an sozialen Wohnungen –, war es mir sehr wichtig, die Innenräume so groß wie möglich zu gestalten. Der Raum sollte clever genutzt werden. Wir wollten eine einfache Struktur schaffen, da wir wussten, dass die Bewohner auf- grund des Verkehrslärms an der Kreuzung nicht sonderlich interessiert an bewohnbaren Außenflächen sein würden. Das erklärt die sehr einfache Form. Und wir haben uns für diese Fenster entschieden, um die Gebäudetiefe zu verdeutlichen. Die Rahmen stehen 20 cm über die Fassade. Dies schafft ein Gefühl von Körperlichkeit und eine Vorstellung vom Komfort der Innenräume, die vor der Außenwelt geschützt sind. Die Qualität der Materialien spiegelt den Pariser Aspekt wider: Hier wird Bezug auf die Metro genommen, für die weiße, stark reflektierende Fliesen gewählt wurden. Im oberen Gebäudebereich haben wir die Fenster sprechen lassen: „Les chiens assis“, was so viel bedeutet wie „Die sitzenden Hunde“. Sie schaffen eine Art „Bruch“, der so typisch für die Pariser Bauart ist und den Pariser Lebensstil verkörpert. Die Zimmer mit diesen Fenstern könnten früher die „chambres de bonne“ (Bedienstetenzimmer) gewesen sein und vermitteln den Eindruck, dass sich ein kleines Zimmer unter dem Dach befindet.

In den Stadtzentren gibt es bereits sehr viel bebaute Umwelt, die man auch berücksichtigen muss. Gibt es bezüglich Fassade und Dach bestimmte Designtrends?

Ich denke, so etwas wie „Stilrichtungen“ gibt es in der Architektur praktisch nicht mehr. Es ist weniger trendy, über Formen zu sprechen. Das wichtige Thema für mich ist der Wert, also die Verwendung. Wenn man sich mit der Idee der Verwendung vertraut macht, erklärt sich die Architektur ganz einfach von selbst.

Facts
  • Projektname
    Building Public Housing, Paris, France
  • Architekt
    fresh architectures
  • Verwendete Produkte

    Koramic

  • Jahr der Fertigstellung
    2013
Koramic Plate 301 Blanc émaillé

Dach

Koramic Plate 301 Blanc émaillé – Frankreich

Koramic Plate 301 Anthracite

Dach

Koramic Plate 301 Anthracite – Frankreich

Koramic Plate 301 Lie-de-vin emaille brillant

Dach

Koramic Plate 301 Lie-de-vin emaille brillant – Frankreich