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Ausgabe #21

Wir versuchen immer, Gebäude zu entwickeln, die minimale Auswirkungen auf die Umwelt mit maximalem Komfort für den Menschen kombinieren.

Lien Vansteenkiste, Groep III

Wienerberger architect Lien Vansteenkiste Groep III
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Groen Steenbrugge Architecten Groep III architects
© Architecten Groep III, Fien Muller

FÜR EIN GLEICHGEWICHT ZWISCHEN KOMFORT, PRIVATSPHÄRE UND PLATZ

Interview

Lien Vansteenkiste und Hein Verbeke von Groep III sprechen über nachhaltige Architektur, energieeffizientes Bauen und maximale Wohnqualität in ihrer Arbeit.

Umweltveränderungen und die EU-Richtlinie mit Energieeffizienz-Zielen für 2020 erhöhen den Druck auf die Bauindustrie, nachhaltige und energieeffiziente Lösungen für Gebäude zu finden. Die Richtlinie verlangt, dass alle nach 2020 erbauten Gebäude Niedrigstenergiegebäude sein müssen. Das bedeutet, dass die Häuser fähig sein müssen, die verbrauchte Energie wieder zu produzieren. Fällt es sehr schwer, diese Vorgaben einzuhalten, oder würden Sie sich in Ihrer Arbeit sowieso auf nachhaltige Architektur konzentrieren?

L. V.: Nachhaltige Architektur ist ein wichtiger Aspekt zeitgenössischer architektonischer Gestaltung geworden. Wir versuchen immer, Gebäude zu entwickeln, die minimale Auswirkungen auf die Umwelt mit maximalem Komfort für den Menschen kombinieren. Unser Leitbild besagt, dass wir unsere Bauherren im Entwurfsprozess inspirieren, ermutigen und unterstützen möchten. So können wir die Umwelt bestmöglich schützen und sie positiv mit einbringen. Wir inspirieren unsere Kunden zum Beispiel, indem wir die Bedeutung der Nachhaltigkeit hervorheben.

Wienerberger architect Lien Vansteenkiste Groep III
Lien Vansteenkiste – Groep III, © Fien Muller

Bedeutet „ermutigen“, dass der Bauherr am Entwurfsprozess beteiligt ist, oder geht es hier mehr um Beratung?

L. V.: Wir beraten, inspirieren und gewährleisten, dass Kunden jeden Schritt des Entwurfsprozesses nachverfolgen können, denn nachhaltiges Design beginnt mit der ersten Idee.

Sind die von Ihnen gebauten Gebäude bereits in der Lage, so viel Energie zu produzieren, wie sie verbrauchen?

L. V.: Wir möchten ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen schaffen. Nullenergiegebäude sind sicher das Ziel, aber sie sind nicht immer bezahlbar. Wir müssen also versuchen, diese Faktoren in ein Gleichgewicht zu bringen und eine spätere Verbesserung des Gebäudes zu ermöglichen.

 

brown brick facade building side view Groen Steenbrugge
© Architecten Groep III, Fien Muller

Was sind die wesentlichen Nachhaltigkeitsmerkmale Ihres Projekts Groen Steenbrugge?

L. V.: Ein Aspekt jedes nachhaltigen Konzepts ist die effiziente Raumnutzung. Das Grundkonzept von Groen Steenbrugge orientiert sich an der städtischen Bebauungsdichte und Multifunktionalität. Die effiziente Raumnutzung ist ein wichtiger Faktor bei der städtebaulichen Planung. Für ein Grundstück mit 3.000 m2 hatten wir acht Häuser mit kleinen Privatgärten und ein Bürogebäude vorgesehen. Das Bürogebäude teilen sich zwei Unternehmen. Weiterhin gibt es eine Studentenunterkunft mit zwölf Zimmern. Hinzu kommt ein Gemeinschaftsgarten, der von allen Bewohnern genutzt wird, und eine Tiefgarage mit Direktzugang zu jedem Haus. Wir haben also ein großes Bauvorhaben auf einem sehr kleinen Grundstück umgesetzt und so den Platz unter Berücksichtigung der Differenzierung bestmöglich genutzt.

Wienerberger Hein Verbeke architect Groep III
Hein Verbeke – Groep III © Fien Muller
brown brick facade building front view Groen Steenbrugge
© Architecten Groep III, Fien Muller

Die Raumnutzung ist also ein Hauptmerkmal für Nachhaltigkeit in diesem Projekt. Ist dies Ihrer Meinung nach ein Aspekt nachhaltigen Bauens, das insgesamt mehr Beachtung finden sollte?

H. V.: Flandern wurde sehr stark baulich erschlossen und die Zersiedelung um die Städte nimmt immer weiter zu. Wir zählen nun auf die Unterstützung des flämischen Regierungsbaumeisters, der überzeugt ist, dass es so nicht weitergehen kann. Flandern ist bereits „überbebaut“ und es gibt keine hochwertigen Freiflächen mehr. Wir müssen also bezüglich unserer Planung und Bebauung umdenken. Der verfügbare Raum muss effizienter genutzt werden.

Gibt es in Flandern Vorgaben zur Größe von Baugrundstücken?

H. V.: Es gibt gesetzliche Vorschriften, die allerdings von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein können. Zukünftig wird die Bebauung näher am anderen sein, aber das bedeutet nicht, dass dies zulasten der Qualität gehen muss. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Einzelräume wichtig sind, auch wenn die Gebäudedichte höher ist.

 

architectural plan Wienerberger Groen Steenbrugge Architecten Groep III
Groen Steenbrugge © Architecten Groep III

Es ist sicher eine Herausforderung, Wohnkomfort und Privatsphäre gegen die Einschränkungen kleinerer Räume und Energieeffizienz abzuwägen. Wie beeinflusst dies Ihre Arbeit?

H. V.: Ich denke, dass unser Projekt Groen Steenbrugge ein sehr gutes Beispiel ist. Es zeigt, dass es möglich ist. Natürlich ist jedes Bauvorhaben einzigartig. Die verantwortungsvolle Raumnutzung bei gleichzeitig hoher Designqualität ist eine ständige Herausforderung bei der Planung. Alternative Wohnformen wie Gemeinschafts- oder Mehrgenerationen-Entwürfe, betreutes Wohnen etc. können Antworten auf diese Herausforderung geben.

 

brown brick facade building front view Groen Steenbrugge
© Architecten Groep III, Fien Muller

Was könnten und sollten Architekten Ihrer Meinung nach tun, um nachhaltige Gebäudekonzepte voranzutreiben?

H. V.: Wir sollten unsere Kunden beraten und informieren. In unserem Büro schauen wir immer über das zu bebauende Grundstück hinaus. Wenn wir zum Beispiel mit dem Bau einer Schule betraut werden, schauen wir uns die Qualität der umgebenden Architektur an: Welche Infrastruktur gibt es bereits und welche Funktionen gibt es vor Ort bereits? So entsteht ein Masterplan mit einem Mehrwert, bei dem es um mehr als nur den Schulbau geht.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Materialwahl. Ziegel ist als Naturmaterial sehr beliebt und kommt oft für nachhaltige Bauvorhaben zum Einsatz – was sind die Vorteile dieses Baustoffs?

L.V.: Wir verwenden gern Ziegel, da er ein natürliches Material ist. Er ist vielseitig einsetzbar, in verschiedenen Farben und Texturen erhältlich und kann zur Umsetzung verschiedener Baustile genutzt werden. Einzigartig ist die lange Lebensdauer und Beständigkeit des Materials. Wir entwerfen auch viele Sozialwohnungen, wo der Ziegel für diese Eigenschaften beliebt und kostengünstig ist. Natürlich ist der Komfort im Gebäude ein wichtiges Thema und dafür kommt eine weitere einzigartige Eigenschaft des Ziegels zum Tragen: die hohe thermische Masse. Wenn die Außentemperaturen zum Beispiel im Tagesverlauf schwanken, kann eine hohe thermische Masse im Gebäude diese täglichen Schwankungen „ausgleichen“.

energy concept plan Wienerberger Groen Steenbrugge Architecten Groep III
Groen Steenbrugge © Architecten Groep III

Man könnte also sagen, dass Ziegel für eine Art natürliche Klimaregulierung sorgen?

H. V.: Ja, denn die thermische Masse nimmt Wärmeenergie auf, wenn die umgebende Temperatur höher ist, und gibt sie wieder ab, wenn die Umgebungstemperatur fällt. Für mich ist es ganz natürlich, Ziegel in meinen Projekten zu verwenden.

brown brick facade building detail view Groen Steenbrugge
© Architecten Groep III, Fien Muller

Für mich ist es ganz natürlich, Ziegel in meinen Projekten zu verwenden.

Hein Verbeke, Groep III